
Dienstag, 1. Juli, Düsseldorf – Lissabon/Oeiras
Es ist knallheiß und super trocken in Düsseldorf. Ich gieße es bis zur letzten Minute. Der Flug hat nur leicht Verspätung und wir überlegen spontan am Flughafen einen Mietwagen zu nehmen, um die Gärten und Paläste rund um Sintra zu erkunden. Wir buchen noch am Flughafen für drei Tage ein Auto. Diesmal zahlen wir 37,- Euro am Tag und nicht 60,- wie in Muros. Marcus fährt uns mit dem kleinen Fiat 500 gut zum Hafen nach Oeiras und können mit unser Hafenkarte direkt oberhalb vom Boot parken. Es stürmt mit bis zu 28 Knoten, alles ächzt und knarzt, der Wind kühlt die Luft und die Hitze vom Flughafen ist hier komplett weggepustet. Todmüde ins Bett.
Mittwoch, 2. Juli, Mafra und Ericeira
Direkt zwischen Hafen und Fortaleza de S. Juliāo da Barra gibt es einen schönen kleinen Strand, Praia da Torre. Morgens um 8 Uhr noch menschenleer testen wir das Wasser. Ich schätze die Wassertemperatur auf 19°, das reicht um ein Stück zu schwimmen. Wir stehen gerade unter der Stranddusche, da kommen die ersten Gruppen mit Kindern. Die Ferien haben begonnen und drei Gruppen mit Kindern im Grundschulalter kommen in Zweierreihen an den Strand. Alle bekleidet mit orangefarbenen T-Shirt, Käppi und Rucksack mit Schippe. Begleitet wird jede Gruppe von ca. drei freiwilligen Helfern. Zu erkennen an den in Portugal sehr beliebten Leuchtwesten. Die Kinder fassen sich alle an den Händen, bilden einen großen Kreis und setzten sich in den Sand. Die Schuhe werden ausgeklopft, die Handtücher im Kreis ordentlich ausgebreitet, super diszipliniert. Nun kann der Strandspaß beginnen!
Wir planen zu dem Königspalast und der Klosteranlage nach Mafra zu fahren und machen uns gegen 12 Uhr auf den Weg. König Joāo V ließ als Dank ein palastähnliches Kloster erbauen, nachdem sein Kinderwunsch 1711 in Erfüllung ging. Portugals Königshaus und der Adel schwelgten in Gold, durch ihre Ausbeutung der Kolonien in Brasilien. Aus ganz Portugal wurden Arbeiter auf Europas größter Baustelle rekrutiert. In Mafra arbeiteten 45.000 Bauleute, 7.000 Soldaten verhinderten Fluchtversuche, 1.400 Arbeiter kamen bei den Baumaßnahmen ums Leben. 13 Jahre wurde in Mafra gebaut, die Grundfläche des Klosters beträgt 232 m Länge und 221 m Breite. Klosterkirche, Palast teilweise auch ein Krankenhaus und eine unglaublich prachtvolle Bibliothek, alles in unvorstellbarem Prunk. Es sollte noch ein Prachtboulevard bis ans ca. zehn Kilometer entfernte Meer gebaut werden, doch das überdimensionierte Bauvorhaben konnte, trotz aller Goldeinnahmen nicht weiter finanziert werden und stüzte das Königshaus in eine tiefe Krise.
Wir machen noch einen Abstecher an den Strand von Ericeira. Tolle Steilküste mit vielen großen Stränden. (Clara war einmal dort für drei Wochen zum Surfen).
Donnerstag, 3. Juli, Sintra: Quinta Biester und Quinta de Regaleira
Wir kämpfen uns durch das Einbahnstrassensystem von Sintra, um zur Quinta da Regaleira zu kommen. Minibusse, Tuk-Tuks und Autos, die kleine Strasse ist ziemlich verstopft. Wir wollen nicht auf den offiziellen Parkplatz und fahren am übervollem Eingangsportal von Regaleira vorbei. Mist, es geht bergauf und bergab , keine weiteren Parkplätze. 15 Gehminuten entfernt finden wir doch noch einen Parkplatz im Wald und gehen zurück. Am Ticketoffice um 11 Uhr bietet man uns einen Besuchslot für 13 Uhr an. Mittagszeit, unmöglich zu Fotografieren. Wir entscheiden uns für den letzten Einlass um 17 Uhr. Da wir nicht beim Bäcker waren haben wir kein Brot für unser Picknick. Das erweist sich als fataler Fehler, wir drängeln uns durch die kleinen Strassen von Sintra, vollgestopft mit Touristen und finden keine Bäckerei und der Minimarkt erweist sich als Kiosk mit Wasser und Eis und 10 Bananen. Die Laune sinkt, ich werde langsam angespannt, die vielen Menschen machen mich verrückt. Wir finden noch ein paar Sandwiches und entscheiden im Palast Biester Mittagspause zu machen. Park und Haus sind erst seit 2022 zu besichtigen. Nach dem imposanten Kassenbereich, 14,- Euro Eintritt pro Person kommt man in einen mäßig gut renovierten Park. Komische Holzlattenzäune, ein ungepflegtes kleines Gewächshaus, aber ein netter Tearoom, mit kleiner schattiger Terrasse für den Kaffee nach dem Picknick. Doch dann kommen wir in das Haus des Journalisten und Dramatikers Ernesto Biester, der dieses aus einer Mischung aus Neogotik und Neoromantik von dem Architekten José Luis Monteiro 1880 errichten ließ. Die atemberaubende Inneneinrichtung beinhaltet Stücke von Luigi Manini, dem italienischen Architekten und Bühnenbildner ( Mailänder Scala), der auch in dem anderen Palast in Sintra, der Quinta da Regaleira, seine Spuren hinterlassen hat. Der Palacio Biester passte perfekt als Drehort und Kulisse für die mystische Atmosphäre in dem Film „Die neun Pforten“ von Roman Polanski, von 1999 in dem Jonny Depp die Hauptrolle spielte.
Dann wird es auch Zeit nach nebenan in die Quinta da Regaleira zu gehen. Die letzten Besucher verteilen sich gut im großen Garten, es ist nicht mehr so überfüllt. Ein bisschen wie Disneyland mit Grotten, Höhlen und Türmen, von allem etwas zu viel. Am groteskesten ist das Jagdzimmer im Haus. Alles aus dunklem gedrechseltem Holz, puh, gruselig. Wir werden wir mit herrlichem Abendlicht belohnt und der Park leuchtet. Allerdings ist die Bepflanzung im Park nicht so beeindruckend wie erhofft, die breiten, staubigen Wege, wenig ausgefallene Pflanzen. Am Fuß und Ende des Parks gibt es eine waldähnliche Fläche mit tropischer Bepflanzung aus Baumfarnen, Palmen, Großblattstauden wie Gunnera und großen Blättern der Monstera, als sehr schöne Kulisse für die Götterskulpturen. Der Park schließt, wir müssen raus. Ein letzter Anstieg den Berg hinauf, um zum Auto zu kommen. Nach einer kurvigen Fahrt und Abstecher zum Supermarkt, lotst uns Marcus in ein Restaurant in einem Wohnviertel in Oeiras, das La Molhanga. Ein guter Tipp von Segelfreund Ludger!
Freitag, 4. Juli, Sintra: Palacio Monserrate
Wir haben aus unseren Erfahrungen von gestern gelernt und wissen, das man zu den berühmten Touristenattraktionen nicht morgens fahren darf. Ausserdem steht die Sonne hier um 9/10 Uhr schon so hoch, dass fotografieren kaum noch möglich ist. Also gehen wir in Ruhe schwimmen, frühstücken und arbeiten etwas am Rechner: Bildbestellung, Mails, Officekram. Zum Mittag gibt es leckeres Brokkoli ähnliches Gemüse mit Nudeln und dann geht es erst nach Cascais. Ich wollte das Hotel in der Festungsanlage noch einmal sehen, den Leuchtturm am Meer und den alten Park mit den Pfauen, in dem wir 2012 mit den Kindern waren, nachdem wir Ostern einige Tage in einer Wohnung in Lissabon waren. An die volle Hauptstrasse mit den vielen Cafés und Geschäften konnte ich mich nicht erinnern und die moderne Hafenanlage mit Tiefgarage und Fitnessstudio gab es vor 11 Jahren auch nicht. So wird es uns sicherlich morgen mit Lissabon gehen. Damals gab es unglaublich viel Leerstand. Nur die unteren Etagen der Häuser waren teilweise belebt, darüber hatten sich Farne die Wohnungen erobert. Es dröhnt aus der Sportarena laute Musik, das Jazzfestival wird am Abend mit Benjamin Clementine eröffnet. Bestimmt super, aber auf dem Nachmittagsprogramm steht ein weiterer Palast und Park.
Wir machen uns auf den Weg über die kurvige, schmale Strasse zum Palacio de Monserrat, diesmal entgegen aller wegfahrenden Autos. Wir erreichen den großen Parkplatz an der Strasse, der sich schon gut geleert hat und kommen gerade noch pünktlich, um das Innere der Villa aus dem 19. Jahrhundert zu besuchen. Drei markante Türme kennzeichnen das Gebäude in maurischer anmutender Bauweise. Kunstvolle Steinmetzarbeiten und geometrische Ornamente ergeben eine perfekte Harmonie. Im Parterre steht im Zentrum ein Brunnen. Wir lauschen verzückt dem Plätschern des Wassers im fast leeren Gebäude. Zwei lange Gänge gehen von hier aus und man gelangt in die angegliederten Räume.
Wir wären besser doch etwas früher gekommen, denn jetzt blieb uns für den wirklich tollen Garten nicht mehr viel Zeit. Das abfallende Gelände hat noch eine wurzelumrankte, zerfallende Kapellenruine als Highlight, einen wunderschönen Farngarten, einen mexikanischen Garten mit Kakteen und Palmen und den Rosengarten. Ich würde gerne noch bleiben, doch wir sind die letzten im Garten und so müssen wir leider zum Ausgang. Superschade.
Rückblick 2012 Sintra: Palácio de Pena
Vor 13 Jahren, im April 2012 waren wir mit den Kindern in Lissabon und machten einen Ausflug in den Palácio de Pena. Es regnete fast ununterbrochen und wir tauchten ein in ein nasses, mystisches Gartenlabyrinth mit alten Gewächshäusern, Teichen und super glitschigen Wegen. Es waren nur wenige Besucher unterwegs und ein Mann rutschte auf den nassen Treppen aus, Sanitäter mussten kommen, um ihm zu helfen. Ich bin froh, das wir nicht wieder zu diesem Palast gefahren sind, der quietsche bunt und neu restauriert hoch oben auf dem Berg leuchtet. Es hätte mir meine schönen Erinnerungen kaputt gemacht.
Hier noch ein paar meiner Lieblingsbilder von damals:
Rückblick 2012 Cascais:
Hier noch ein paar meiner Lieblingsbilder von damals: Cascais




































































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