
Samstag, Sonntag, Islas Cies und Baiona, 24. / 25.Mai 2025
Schnell radle ich noch zum großen GADIS und besorge frischen Fisch und Jamon für unser Ankerwochenende. Wir brauchen nicht lange für die 8 SM bis zu den Islas Cies und lassen den Anker wieder vor dem großen Strand fallen. Tania kommt gar nicht aus dem herrlich türkisgrünem Wasser heraus, obwohl es höchsten 18 Grad hat. Ich weiß nicht wie sie das aushält, ich vermute sie war eine Robbe in ihrem vorherigem Leben. Allen anderen reicht eine kurze Abkühlung und warme Aussendusche. Zum Abendessen gibt es die zwei großen Rotbrassen aus dem Backofen mit Fischrisotto, zu trinken Weißwein, mit einem herrlichem Blick über das kristallklare Wasser und die Insel inklusive. Die Dünung schaukelt uns friedlich in den Schlaf.
In zwei Fuhren setzen wir am Sonntag, nach dem Frühstück, mit dem Dingi über an Land und laufen zusammen über die Verbindungsmauer auf den südlichen Teil der Insel. Marcus und ich nehmen den Weg zum Leuchtturm. Tania und Carsten schnorcheln in dem kristallklarem Wasser an der Praia de Nosa Señhora. Ich laufe ohne Butterbrot los und es ist kurz vor Mittag, wirklich ein dummer Fehler von mir. Egal wieviel und wann ich frühstücke, um 13 Uhr habe ich Hunger und so wird mir natürlich etwas flau beim Aufstieg, aber der Blick über die Cies Inseln ist grandios. Spaghetti mit Anchovis und Zitronen und ein Tomatensalat sind schnell an Bord gemacht und erst gegen 17.30 Uhr lichten wir den Anker mit Kurs auf den Hafen von Baiona.
Baiona, der letzte Hafen Spaniens, der erste Ort, der von der Entdeckung Amerikas erfuhr nach der Rückkehr von Christoph Kolumbus. Eine kleine Replique der Karavelle ‚La Pinta‘ liegt zur Erinnerung im Hafenbecken. Die letzte spanische Jamoneria. Es duftet nach frisch gebackenem Käsekuchen, als wir uns an dem kleinen Holztisch setzen. Zum Nachtisch wird er extra für uns angeschnitten. Jamoneria Jaqueyui lohnt den Besuch wegen des frischen Kuchens. Der Abendspaziergang führt uns hoch auf den Hügel zu dem Parador halb mittelalterliche Burg, halb galicische Festung, in dem Tania und Carsten vor zehn Jahren übernachtet haben. Der Wind ist eiskalt und pfeift, aber der Blick ist wunderbar. Fledermäuse huschen an uns vorbei und nisten in der fast drei km langen Mauer, die rundum von Meer umgeben ist.
Montag, 26. Mai 2025, Viana do Castelo
Der Kapitän möchte um 9.00 starten, da wir wieder eine weitere Strecke von 35 SM vor uns haben. Der Wind soll am Nachmittag auffrischen und Marcus möchte so früh wie möglich in Viana ankommen. Kaum sind wir aus dem geschützten Hafen heraus erwischt uns eine ordentliche Welle mit Wind von NNW, der sich auf dem Weg nach Viana bis zu 28 Knoten steigert. Direkt an der portugiesischen Grenze müssen alle wachsam auf das Meer schauen, da ständig kleine Fischerbojen links und rechts von uns auftauchen. Super, in den Farben Weiß, Schwarz und Grau kaum auszumachen zwischen den Wellen und Schaumkronen. Carsten macht es Spaß das Ruder zu übernehmen und er versucht uns durch die Wellen zu steuern und das Aufklatschen nach den hohen Wellenkämmen ein wenig abzumildern. Wir haben zum Glück wieder ein Mittagessen vorbereitet, denn bei dem Auf und Ab hat keiner Lust zu kochen. Es gibt Bulgursalat, mit Zwiebeln, Oliven und eingelegter Paprika. Tania verkriecht sich mal für ein Nickerchen in die Koje, ich schlummere an Deck. Bei der Einfahrt in das große Hafenvorbecken von Viana do Castelo haben wir dann die angekündigten 28 Knoten Wind, die erst abflachen als wir Schutz hinter den großen Tankern finden die dort liegen. Die Einfahrt in das kleine Seitenhafenbecken ist sehr schmal, die Fussgängerbrücke geöffnet. In dem Becken, direkt parallel zur Stadt und Strasse liegt das alte Hospitalschiff ‚Gil Eannes‘, heute ein Museumsschiff. Wir gehen längsseits an den Steg, hier ist Platz für ca. 6 Yachten. Zwischen den Häusern blicken wir auf die Kathedrale Santa Lucia, rechts von uns liegt das weiße Stahlschiff. Super Platz. Anmeldung ist im Hafen ca. 15 Minuten zu Fuß entfernt, dort befinden sich auch die Toiletten und Duschen.
Wir sind in Portugal!
Ich freue mich und die kleine Stadt empfängt uns gebührend. Es gibt wirklich viel zu gucken und den Anfang macht die Sao Domingos Kirche. Azulejos und Gold, beides wird im Überschwang verwendet. Wir hatten geplant zum Sonnenuntergang die Seilbahn auf den Berg zu der Kathedrale Santa Luzia zu nehmen, aber die letzte Bahn war futsch und die Kirche geschlossen. So schlendern wir durch die Altstadt und lauschen, wie die vielen erschöpften Pilger, dem schönen Gesang einer jungen Frau, auf dem Praza de Republik.
Die Portugiesen essen viel früher als die Spanier und wir sind froh noch einen Platz in der Casa Primavera zu bekommen. Seit 1948 wird hier Suppe, Fisch und Fleisch serviert. Es ist mit vielen Familien sehr lebendig, die Chefin ist zuvorkommend und das Essen sehr gut. Unsere Wangen glühen vom Wind und den kleinen Schlückchen Wein, wir sind alle sehr müde.
Dienstag, 27. Mai, Viana do Castelo
Mein Geburtstagsfrühstück an Bord mit allen Köstlichkeiten die Marcus schon beim Bäcker finden konnte. Maisbrötchen, Sauerteigbrot, Madeleines und natürlich die köstlichen Puddingtörtchen, Pasteis de nata, Obstsalat und selbstgemachte Marmelade. Die Sonne scheint und wir sitzen draußen mit Blick auf das blendend weiße Hospitalschiff und den Fussweg der leicht oberhalb der Mauer an uns vorbeiführt. Es kommen so viele liebe WhatsApp Grüße, danke!
Wir beginnen unsere Sightseeingtour mit der ‚Gil Eannes‘, dem Krankenhausschiff das seit 1955 die Kabeljaufischer auf den Fahrten in die nördlichen Meere begleitete. Das Schiff wurde, wie so viele Fischereiboote in Viana gebaut und nachdem es in Lissabon still gelegt wurde und drohte dort zu verrosten, von der Stadt zurück geholt und aufwendig restauriert. Sehr anschaulich wird gezeigt wie hart das Leben der Fischer war, um ihren Lebensunterhalt mit der Fischerei zu verdienen und wie wichtig die medizinische Versorgung durch dieses Schiff war. Der Kabeljau, Klippfisch, wurde direkt vom Fischkutter geangelt oder mit Hilfe von ganz kleinen Holzbooten in denen jeweils ein Fischer sass. Die großen Fische wurden direkt an Bord ausgenommen, aus der Leber wurde Öl produziert, die Fischhälften in reichlich Salz eingelegt und im Schiffsbauch gestapelt. Durch die entstehende Fermentation und anschließende Trocknung zuhause entsteht der Bacalau, der noch heute ein Nationalgericht der Portugiesen ist.
Anschließend besuchen wir das Trachten Museum in der alten Nationalbank. Bald jedes Dorf rund um Viana hatte seine Besonderheiten in den Mustern und Farben der Trachten. Die Schürzen waren mal mit floralen Mustern, mal mit geometrischen Linien verziert. Dazu trug man Schmuck aus Golddraht, der immer noch bei allen Juwelieren in der Stadt angeboten wird. Auch der Herstellung von Spitze, also das Klöppeln spielte eine große Rolle bei den Trachten und wir treffen, im Museum, auf eine Gruppe von Frauen, die sich dort trifft um diese Handarbeit zu betreiben.
Ein leckeres, leichtes Mittagessen gibt es in einem Biorestaurant, Jenny&Carmie, die auch Coworking Plätze anbieten. Eigentlich wollen wir eine Pause an Bord machen, doch stellen fest, dass wir besser direkt die Seilbahn auf den Berg nehmen, um noch in die Kathedrale Santa Luzia zu kommen. Sie erinnert uns alle an Sacre Coeur in Paris und die Entstehung liegt auch noch nicht lange zurück. Die Pläne sind von 1898, die Fertigstellung erfolgte 1954. Spektakulär ist allerdings der Ausblick über den Fluss Lima, die große Hafenanlage und die Stadt. Wir genießen die Sonne und Tania hat die gute Idee ein richtig, echtes Foto von uns machen zu lassen, von einem Fotografen, der vor der Kirche steht. Das gibt es tatsächlich noch.
Die Seilbahn bringt uns wieder runter in die Stadt aber bis zur Dusche im Hafen ist es uns zu weit, wir duschen auf der Badeplattform im kleinen Hafenbecken. Ein Geburtstagsessen im Restaurant muss natürlich noch sein.
Mittwoch, 28., Donnerstag, 29. Mai 2025, Leixões/ Leça
Etwas traurig müssen wir Viana do Castelo verlassen und nutzen den achterlichen Wind um uns zügig die 34 SM nach Leixoes wehen zu lassen. Um 17 Uhr machen wir in der kleinen Marina die Leinen fest und geniessen die Abendsonne am Strand um die Ecke.
Ausschlafen und gemütliches Frühstück.
Vom Porto Leixões/ Leça bis zur U-Bahn in Matosinhos läuft man an der lauten Strasse entlang und überquert dann die Metallschwenkbrücke über dem Containerhafenbecken, ca. 35 Minuten braucht man bis zu der Haltestelle hinter der Markthalle. Es weht kein Wind und wird immer heißer. Wir kommen am Bahnhof Bolhāo im Zentrum von Porto aus der U-Bahn und stehen auch schon in der 2019-22 neu restaurierten Markthalle von Bolhāo. Hell und frisch erstrahlt die große Halle, aber die hochwertigen Stände mit einzeln verpackten Produkten und die vielen Touristen mit kleinen Leckereien auf Papptellern verjagen uns schnell. Direkt gegenüber entdecken wir die ‚Confeitaria do Bolhao’ mit einer Tageskarte, auf der Sardinen angeboten werden. Wir bekommen zwei kleine Tische zugewiesen und fallen erleichtert in die Stühle. Das Essen ist gut und mir schmeckt das pumpernickelartige, klebrige Schwarzbrot ausgezeichnet. Wir sind erschlagen von der Menschenmasse und der Hitze die ganz plötzlich zwischen den Häusern aufsteigt. Auto-, und Baustellenlärm sind für uns unerträglich laut. Seit Wochen haben wir nicht so viele Menschen, Autos und Baustellen um uns gehabt, dazu kommt eine Hitze von über 30 Grad und macht Sightseeing schwer.
Wir laufen zu dem legendären alten Bahnhof São Bente, laut Reiseführer einer der 10 schönsten Bahnhöfe der Welt. Die relativ kleine, aber hohe Vorhalle ist rundherum mit 20.000 bemalten Fliesen, den Azulejos, verziert, die von der Geschichte Portos erzählen. Wir gehen die Strasse ein Stück bergauf und kommen zu der Kathedrale von Porto. Fulminant, ein so wunderschöner Kreuzgang, Sonne, Schatten, Azulejos, Blau, Gold…. Es ist atemberaubend schön. Wir erklimmen den Glockenturm und haben eine Sicht über den Douro und Porto. Ein Meer an roten Ziegeldächern, getrennt durch den sich windenden Fluss Douro. Auf der anderen Seite begrünte Hänge, das Kloster Serra do Pilar und die Lagerhallen der Portweinhersteller in dem Stadtteil Vila Nova de Gaia.
Tania und Carsten trennen sich von uns, um noch das Museum Serralves zu besuchen. Wir finden noch ein Café und machen uns auf den Weg zurück zum Hafen in Leiça. Die Rückfahrt zieht sich für alle etwas und für ein Abschiedsessen im Restaurant wird es viel zu spät. Zuhause ist doch auch immer schön.



































































































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