Mittwoch, 9. September 2025, Oeiras / Lissabon – Sesimbra

Es gibt nicht mehr viel Frisches an Bord, der Supermarkt ist 3,5 Kilometer entfernt und da lohnt es sich das Rad aus dem Boot zu holen.Der Weg führt nur am Strand entlang, der übersäht mit Kindern ist. Gruppen in blauen, pinken, gelben und orangefarben T-Shirts in verschiedenen Altersgruppen wimmeln über den ganzen Strand. Ferienfreizeit für die Kinder aus Lissabon. Natürlich verfahre ich mich und mache einen kleinen Umweg durch den Ort, der etwas Abseits der breiten Strasse schöne, kleine Villen neben weniger schönen Hochhäusern hat. Der ‚Continente‘ hat eine kleine Fischtheke, ich kaufe zwei Doraden und ein paar Garnelen. Obst, Gemüse und Gazpacho. An Bord wird Marcus schon nervös, er wollte um 12 Uhr ablegen, ich bin aber nicht fertig, da der Brotteig noch in der Mache ist. Wir tanken die Flores noch voll und dann gehts endlich weiter. Unser Ziel ist Sesimbra, 20 SM entfernt.

Morgens war es noch diesig, doch am Spätnachmittag kommt die Sonne raus und beleuchtet das schräge Relief der Steilküste sehr plastisch und farbintensiv. Ich dachte wir könnten vor dem Ort ankern, doch es ist Schwell und wir wissen nicht genau wo ein Kabel verläuft und entschließen uns für den Hafen. Hier ist es sehr ruhig, warm und es stinkt. Wir entscheiden uns für das Fischrestaurant ‚Lobo do Mar‘, direkt am Fischereihafen. Ein flacher Bau, aus drei zusammengestückelten Gebäudeteilen, unterhalb der Steilküste. Die Empfangsdame weist uns den Tisch zu und drückt uns ein Zettelchen mit der Tischnummer in die Hand. Damit geht man am großen Grillbereich vorbei zur Fischtheke. Diese ist gut gefüllt mit großen und kleinen Fischen, aus der man sich das Passende auswählt. Es wird auf dem Zettel vermerkt und der Fisch wandert zur Grillstation, nachdem er vorbereitet wurde. Derweil werden wir mit Oliven, Ziegenkäse, Brot und Getränken versorgt. Der Kellner platziert alles minuziös auf dem kleinen Tisch, er weiß genau was er tut. Der Fisch wird mit Kartoffeln und Salat serviert und ist der Beste den wir je hatten!!! Wirklich frisch, saftig, perfekt gesalzen, ein Hochgenuß. Nach dem Essen wandern wir noch durch die Bucht am Strand entlang, durch den hübschen Urlaubsort und beobachten Beachfussballspieler am Strand. Heldenhaft! 

Donnerstag, 10. Juli, Sesimbra – Sines (Ankern)

Kurze Morgengymnastik und um 8 Uhr L.L. Das Meer ist spiegelglatt, der Himmel leicht bewölkt und die Fischerbojen im Gegenlicht gut zu erkennen. Um 10 Uhr holt Marcus die Segel raus und mit 6,5 KN, der Motor läuft ruhig mit, kommen gut voran. Gegen 16 Uhr erreichen wir die Bucht und Strand Vasco da Gama vor Sines. Eine Bronzestatur von Vasco da Gama wacht vor der Burg über uns. Jetzt mache ich mal einen gekürzten Abriß über die wichtigsten portugiesischen Expeditionen und ihren Folgen, frei nach dem alten, grünen Michelin Reiseführer von meinem Vater.

1. Madeira, von J.Zarco und T.V.Teixeira 1419

2. Azoren 1427

3. Kap Bojador, Nordwestafrika, Gil Eanes 1434

4. Kap der Guten Hoffnung ( Afrika) B. Diaz 1488

5. Mozambique und Indien, Vasco da Gama 1498

6. Weltumseglung um Südamerika, Magellanstraße, Magellan 1522

Sines ist der Geburtsort des wagemutigen Vasco da Gama, der am 8. Juli 1497 mit einer Flotte von vier Schiffen Lissabon verließ, um Indien auf dem Weg um die Südspitze Afrikas zu erreichen. Im März 1498 erreichte er Mozambique, am 20. Mai Calicut an der Südspitze Indiens. Damit ging das Handelsmonopol der Araber und Türken auf die Portugiesen über. Die Handelszentren am Mittelmeer, Venedig und Genua, und Lübeck an der Ostsee, verloren ihre Bedeutung zugunsten der Atlantikhäfen, allen voran Lissabon.

Die Vorherrschaft und der trügerische Reichtum hielten nicht lange. Die portugiesische Bevölkerung ging von zwei auf eine Millionen zurück, da viele Menschen nach Übersee auswanderten. Die Reichtümer nährten Müßiggänger, der Boden wurde nicht mehr bestellt und Roggen und Weizen mussten importiert werden. Das Handwerk ging zugrunde und die Goldschätze wurden für Luxusgüter und Luxusbauten ausgegeben. Der Tod des jungen Königs Sebastian I, 1578, besiegelte das Ende der glanzvollen Epoche. Zwei Jahre später gelangte Portugal unter spanische Herrschaft.

Freitag, 11. Juli, Sines (Ankern) – Sagres (Ankern)

Samstag, 12. Juli, Sagres (Ankern)

Puh, jetzt liegt der Anker hoffentlich gut. Haben ihn noch zwei Mal heute Morgen umgelegt. Jedes Mal wieder Felsen, die kratzen oder zu dicht am Nachbarboot. Wir haben ordentlich geschwitzt als wir Kette und Anker heute Morgen nicht hoch bekommen haben. Die Kette hatte sich schon um einen Felsen gelegt und es tat sich rein gar nichts als ich auf die Fernbedienung gedrückt habe. Null, keinen Zentimeter. Das hatten wir so auch noch nicht. Kette und Boot hatten sich komplett verheddert. Nach ein paar Metern nach vorne und zur Seite kamen schon mal 10 Meter Kette hoch, dann hing wieder alles fest. Nach weiteren Manövern vor und zurück hatten wir dann irgendwann den Anker oben. Der Nachbar schlug vor eine Boje an den Anker zu machen, um ihn notfalls per Hand, vom Dingi aus, mit der Leine zu lösen. Marcus nimmt also einen Fender und eine Leine, befestigt es am Anker und beim herunterlassen wundere ich mich, das die Leine von der Ankerklemme mit Haken an der Boje befestigt ist. Zum Glück halte ich irgendwann ein Seilende in der Hand und frage Marcus ob das richtig ist? Er hat das völlig falsche Seilende befestigt. Anker hoch und richtige Leine an den Fender. 

Jetzt dümpeln wir mit leicht platschendem Wasser in der Bucht, Blick mal auf die Einfahrt und Buhne, mal auf die Praia Baleeira, je nachdem wohin uns der Wind gerade treibt. Ich sitze herrlich im Windschatten unter der Bimini und bin glücklich.

Gestern haben wir die große Etappe von Sines nach Sagres mit 67 SM in 11 Stunden hinter uns gebracht. Motorsegeln mit leichtem Wind von der Seite. Eigentlich hat Marcus sie hinter sich gebracht, während ich gelesen, gestrickt und Essen hoch geholt habe und dösend auf der Bank draußen die Zeit verstreichen ließ. Marcus hat elf Stunden auf das Meer vor uns geschaut und nach diesen tückischen Fischerbojen Ausschau gehalten und ist immer genau auf der 20 Meter Wassertiefenlinie gefahren. Ab und an der Blick nach rechts aufs offene Meer um sich zu vergewissern das dort keine Orcas auftauchen. Segelvergnügen geht anders. Die letzten Stunden vor dem Capo Sāo Vicente war die Steilküste mit den zerklüfteten, schroffen, schwarz-braunen Felsen spektakulär. Grotten und Einschnitte in die Felsen waren zu erkennen und zwischendurch immer wieder tolle Badestrände, die man über Sandpisten erreichen kann.

Oben auf dem Capo liegt ein wunderschöner Farol, Leuchtturm, mit vielen Besuchern. 

Die Strecke sind wir im Konvoi mit einem schwedischem Boot, der SY Magda, gefahren. Eine schwedische Familie, mit zwei Kindern an Bord. Das war beruhigend und so gab es natürlich auch ein gemeinsames Anlegergetränk bei uns an Bord, nach unserer Ankunft. Vorher musste John, der Sohn noch eine Runde mit seinem Wing-Foiler durch die Bucht surfen Ein Surfbrett auf Kufe, bei dem der Surfer das Segel lose in der Hand hält. Ziemlich cool.

In der Nacht hat die Kette so an den Felsen gekratzt, dass Marcus in der Gästekabine geschlafen hat.

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