Freitag, 30. Mai 2025, Porto de Leixões / Matosinhos

Dichter Nebel als wir Tania und Carsten verabschieden, die morgens ihren Rückflug haben. Kein Tag zum Wäsche waschen. Zum Mittagessen machen wir uns mit den Rädern auf zu der Markthalle in Matosinhos, die auf der anderen Seite des Industriehafens liegt. Matosinhos, Endhaltestelle der U-Bahn von Porto und Terminalhafen für die Kreuzfahrtschiffe, ist ein alter Fischereihafen und sehr beliebter Ausflugsort für die Anwohner der näheren Umgebung und aus Porto. Es gibt sehr viele Fischrestaurants an der Hafenstrasse und in den kleinen Gassen. Es mischen sich einfache, alte Häuser mit Fliesenverzierung und schmiedeeisernen Balkongittern mit super hässlichen Bauten, der 70iger Jahre und vereinzelt findet man ganz neue, moderne Häuser. Wir gehen in die alte, große Markthalle, die im Parterre viele große Fischstände hat und decken uns mit Fisch für den nächsten Tag ein. Die Restaurants rund um die Fischstände bieten an, den frisch gekauften Fisch im Restaurant zuzubereiten. In der ersten Etage befinden sich die Obst und Gemüsestände, ein Geflügelstand mit lebenden Tieren, Snackbars und kleine Workspaces für junge Creative, wie eine Goldschmiedin, Mode, Design und Architektur. Wir bekommen ein sehr gutes Mittagessen im Restaurant ISKO.

Gegen Abend ist der Nebel immer noch dicht und wir sind neugierig wie es am Meer aussieht. Unten im kuscheligen Schiffsbauch, mit Blick nur auf die Hafenmauer vor dem Eingang, wird es irgendwann doch eng und eintönig. Wir radeln entlang der Küste Richtung Faro de Leça, der Leuchtturm von 1926, erhebt sich weiß leuchtend 46 Meter hoch. Er ist immer noch in Betrieb und strahlt 28SM weit über den Atlantik. Er versinkt heute allerdings in Nebelschwaden. Wir passieren das Meerwasserschwimmbad an der Promenade, das in den Jahren 1961- 66 von dem portugiesischem Architekten Álvaro Siza Vieira gebaut wurde. Von ihm stammt auch das Teehaus, Restaurant das unterhalb vom Leuchtturm auf dem Cap liegt und heute ein Gourmetrestaurant beherbergt, das Casa de Chá da Boa Nova. Álvaro Siza Vieira, Architekt, geboren 1933 in Matosinhos, seit 1976 Professor für Architektur, Pritzker Preisträger 1992 für den Wiederaufbau eines Lissabonner Altstadtviertels, hat auch seinen Fussabdruck in Porto und Umgebung hinterlassen. Das Museum Serralves, U-Bahn Station Bahnhof São Bento, die Liste bei Wikipedia ist noch viel länger. Zufälligerweise stehen die Eingangstüren zum Schwimmbad offen und wir können, zusammen mit ein paar japanischen Architekturstudenten hinein. Ein Tag vor der Eröffnung der Sommersaison wird geputzt und die Becken wurden mit Wasser gefüllt. Das archaische Bauwerk aus Sichtbeton schmiegt sich in die Felslandschaft und mit dem Nebel, der die Hochhäuser der anderen Strassenseite verdeckt, ein mystisches Erlebnis. Geschwärztes Holz für die Umkleiden und Duschen, tolle Linienführung, Türschilder und Griffe, alles perfekt durchdacht. Wir können nicht aufhören zu fotografieren.

Samstag, 31. Mai 2025, Porto de Leixões / Matosinhos

Der Nebel ist immer noch so dicht, man kann nichts sehen. Die großen Frachter, die man draußen vor unserer Hafenmole hört, tuten ständig ihr Nebelhorn. Tania und Carsten sind gestern mit 6 Stunden Verspätung vom Flughafen Porto gestartet. Es gab ein großes Chaos am Flughafen, Nebel war nur ein Grund. Das Wetter wird langsam sonniger und wir können doch noch zum Waschsalon radeln, um unsere Wäsche zu waschen. Der frische Wind trocknet alles schnell, nur stellen wir leider später fest, dass der große Bettbezug von der Reling gerissen wurde und mitsamt allen Wäscheklammern im Hafenbecken versunken ist. Ab jetzt nur noch ein Gast :)) Alf, unser Freund aus England ist gekommen. Er war südlich von Lissabon, in einem Künstlerhaus zum Arbeiten an seiner Kunst. Um endlich unser Boot zu sehen und uns mal wieder zu treffen, ist er bis Porto hochgefahren. Wir gehen abends mit ihm in ein vegetarisches Restaurant im Ort, ‚Fava Tonka‘. Das beste Gericht ist die frische, säuerliche, dünn geschnittene Rote Beete mit einem Stracciatella Eis mit schwarzem Knoblauch. (Fermentierter Knoblauch)

Die Zwiebel Tarte Tartin ist auch köstlich und steht schon lange auf meiner ‚Koch-to-do-Liste‘. Die offene Küche mit Tresen aus einem Baumstamm, Edelstahl und grünen Fliesen ist die Bühne für die Köche die dahinter agieren.

Sonntag, 1. Juni, Porto de Leixões / Matosinhos

Alf hat ein Mietauto und wir nutzen es zusammen, um damit nach Porto zu fahren. Für heute steht Sightseeing auf dem Programm. Wir starten mit dem Parque de Serralves, indem Álvaro Siza Vieira zwischen 1991 und 1999 ein Museum baute. Das Museum ist das wichtigste Museum der Gegenwartskunst in Portugal und besitzt eine große Sammlung zeitgenössischer Kunst, Fotografie und auch Skulpturen im Park. In dem großen Park findet schon das ganze Wochenende ein Musik/Tanz Festival statt, die Partygänger der letzten Nacht kommen uns entgegen. Ein großes Familienfest mit Bühnen und vielen Ständen für gehobenen Nippes. Die Gartenanlage ist von 1932 und es gibt einen Baumpfad durch die Kronen der alten Bäume, einen Rosengarten (mäßig gepflegt) Brunnen, Teich und große Wiesen. Durch die vielen Gäste war ein Fotografieren des Parks nicht gut möglich.

Wir konnten aber mehrere gute Ausstellungen in dem Museum sehen:

ZANELE MULHOLI, a visual activist and artist from South Africa, portrays the lives and experiences of Black LGBTQIA+ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersex, Agender, Asexual) individuals from their home country and elsewhere in the world.

MOUNIRA AL SOLH – OH PIGEON, DON’T SLEEP, DON’T SLEEP Born in Beirut in 1978 and currently based between Beirut and Amsterdam, Mounira Al Solh’s artistic practice spans video, installations, painting, drawing, textiles, text, and performance. Her work delves into complex social and political landscapes, focusing on feminist themes, micro-historical narratives, and the effects of conflict and migration. 

THIS IS A SHOT. WORKS FROM THE SERRALVES COLLECTION This is a shot‘ presents a group of works from the Serralves Collection, bringing together recent acquisitions and works not yet shown in the Museum.

Gestärkt durch ein dick belegtes Sandwich mit Jamon und flüssigem Käse, machen wir uns auf den Weg, um im Casa da Música  Kaffee zu trinken. Portos Konzerthaus wurde von Rem Koolhaas geplant und 2005 eröffnet. Leider waren wir zehn Minuten zu spät, um an der Führung des Gebäudes teilzunehmen, das innen ganz mit Edelstahl ausgestattet ist. Das Café wird sehr lebendig als Workspace genutzt und die Aussenanlage aus goldbraunen Marmor ist ein beliebter Skateplatz. Alf regt sich darüber auf wie man Mülleimer, Feuerlöscher und Defibrilatoren so zerstörerisch in der perfekten Architektur platzieren kann. Bauvorschriften lassen sich wohl nur in den Niederlanden umgehen. Dort werden Feuerlöscher auch schon mal weiß angesprüht, um nicht alles optisch zu zerlegen.

Den Abschluss macht ein toller Spaziergang zum Miradouro de Fontainhas. Von hier schaut man auf die Eisenbrücke von Gustav Eiffel, die den Fluss Douro überspannt und auf die Klosteranlage Serra do Pilar. Wir treffen hier die Textilkünstlerin Svenja Tiger, die seit 15 Jahren in Porto lebt und die Alf bei seinem Arbeitsaufenthalt in Évora kennengelernt hat. Ein leckerer Fisch vom Markt wartet auf uns an Bord und den essen wir zusammen mit einem Fischrisotto.

Montag, 2. Juni, Porto de Leixões / Matosinhos

Frühstück mit Alf. Team Besprechung mit dem Burda Verlag, wegen meines Fotografenvertrags.

Marcus telefoniert mit Tom Logisch, wegen des Wassermachers.

Wir zeigen Alf den Markt in Matosinhos und gehen essen in einem kleinen Restaurant, das Essen liegt uns im Magen. Zurück an Bord, ausruhen, Siesta. Ein weiterer Überraschungsbesuch, Marcus Schulfreund Olli, der seit  35 Jahren in Braga wohnt, kommt zum Kaffee. Abendessen Salat und frisches Brot im Salon, da der Wind draußen so stark bläst.

Mittwoch, 4. Juni, Porto de Leixões – Douro Marina / Porto

Wir haben uns eine Führung in der alten Sardinenfabrik Pinhais in Matosinhos gebucht. Marcus war der Name ‚Nuri‘, den die Dosen tragen ein Begriff, da der Österreichische Weltumsegler… von der Firma gesponsert wurde. Warum klärt sich schnell. Das Unternehmen geriet in finanzielle Schwierigkeiten und wurde von der Österreichischem Firma Glatz aufgekauft. Bereits der Großvater von Jakob Glatz importierte die portugiesischen Sardinen wegen ihrer außerordentlich hohen Qualität. 

Betritt man die schöne alte Fabrikhalle empfängt uns ein gut gestylter Empfangsbereich und professionell wird man mit Kopfhörer und Schutzkleidung ausgestattet. Doch bevor wir die Produktionshalle betreten dürfen, werden uns viele Details der alten Fabrik erklärt und auf das Geheimnis der Tomatensauce hingewiesen, dessen Rezept nur zwei Personen kennen. Wie bei Coca Cola, erklärt unser netter Führer. 100 Frauen arbeiten in der Halle und alles wird per Hand gemacht. Die Gurken-, und Möhrenscheiben werden per Hand geschnitten, das Lorbeerblatt per Hand kleingerupft, die Chillischote sortiert und mit der Schere die Stiele abgeschnitten. Die Frauen mit weißen Kitteln, Hauben und Handschuhen sitzen laut schwatzend vor ihrer Arbeit. Die Sardinen werden geköpft, gereinigt, vorgegart und dann kommen 4-6 Sardinen in eine Dose. Die Dose läuft auf einem Band, das einzige in der Manufaktur an den Frauen vorbei und jetzt wird die Sardine mit der Schere vorne und hinten so eingekürzt das sie in die Dose passen. Anschließend wir sie mit bestem Olivenöl aufgefüllt und verschweißt und wieder im Ofen sterilisiert. Viele der Mitarbeiterinnen arbeiten ihr ganzes Leben lang in der Fabrik, manche schon in zweiter Generation. Die Sardinen werden täglich von zwei Mitarbeiterinnen auf dem Markt bei den Fischern eingekauft und gründlich überprüft auf ihre Qualität. Die Männer gehen fischen und die Frauen arbeiten in der Fabrik oder dem Markt, so war es in Portugal schon immer.

Die Mittagsglocke erschallt und 100 Frauen springen von ihren Plätzen auf und laufen schnatternd zum Essen. Schade, wir hätten ihnen noch gerne etwas auf die Finger geschaut bei ihrer Arbeit. Dann dürfen wir versuchen die Dose in ein Papier einzuwickeln, die Technik wird uns vorgeführt und anschließend gibt es ein Sardinentasting. Für jeden eine Dose. Das ist doch etwas mächtig. Der österreichische Inhaber ist ein so großer Fan seiner Sardinen, das er ein Kochbuch hat erstellen lassen und sehr außergewöhnliche Rezeptvorschläge für die Sardine darin vorstellt. Grillhuhn-Marinade mit Ingwer, Limetten, Buttermilch, Weißwein und der scharfen Nuri Sardine. Als nächstes werde ich Spagetti mit gebratenen Sardinen und gerösteten Knoblauch versuchen, mal als Alternative zu den Anchovis. Gesund ist die Sardine auch noch da sie viel Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D enthält.

Wir verlegen uns mit dem Boot von der Marina in Leixõs nach Porto, das geht ratzfatz, da es nur ein paar Seemeilen sind. Natürlich gönnen wir uns den Spass mit dem Segelboot den Douro hochzufahren, bis zu der Eisenbrücke von Gustav Eiffel, um die Ansicht der Stadt vom Wasser aus zu genießen. Was die mit ihren teuren Ausflugsbooten machen, können wir doch selbst. Drei Hafenmeister nehmen uns mit dem Schlauchboot in Empfang und geleiten uns zu unserem Liegeplatz am Fingersteg. Wir blicken jetzt Richtung Porto und haben vor uns die hohe Autobahnbrücke. Autoverkehr hört man hier nicht, nur die landenden oder startenden Flugzeuge vom Flughafen. Wir beobachten die anderen Segelboote im Hafen, die alle aufbrechen für einen Sunsetturn. Zuerst Richtung Porto und dann aufs Meer hinaus. Um 21 Uhr sehen wir, bei unserer Abendrunde vom Berg, wie die Armada wieder in den Hafen einläuft. Es soll nur ein kleiner Erkundungsgang in dem Stadtteil Afurada werden. Wir spazieren durch, die nach gegrillten Sardinen duftenden Gassen, an jeder Ecke ein Restaurant mit Grill auf der Strasse. Die verschieden gekachelten Aussenwände der Häuser, in den wildesten Farben und Mustern, sind tolle Fotomotive. Meistens ziert noch ein Heiligenbild, mit Fatima den Eingang. Der Stadtteil ist wie ein Dorf, mit kleinen niedrigen Häusern, die Schuhe und Besen stehen vor der Tür, jeder kennt jeden und ruft Grüße/Flüche/Neuigkeiten quer auf die andere Strasseneite. Oberhalb am Hang stehen wieder, wie so oft in Spanien und wohl auch in Portugal, die hohen, schmucklosen Betonneubauten.

Geburtstagsfeier oben auf der Dachterrasse einer Bar, wir sehen einen Luftballon mit einer goldenen 29. Die Mädchen gucken sehr erstaunt, als wir zum Gratulieren kommen und erzählen, dass unsere Tochter Clara heute auch ihren 29. Geburtstag feiert. Wir schicken Clara ein Luftballonbild. Wir schauen die 2. Halbzeit Deutschland-Portugal Nations League, vor einer Bar. Deutschland verliert. Gut für uns, keiner guckt uns schräg an. Ein paar Häuser weiter hören wir Gesang und Klatschen aus einem Hinterzimmer,  am Ende eines langen Ganges, wir bleiben draußen stehen und beobachten die Tänzerinnen und Tänzer. Ein Mann winkt uns wiederholt zu hereinzukommen, was wir uns dann auch trauen. Drinnen ist der Raum heiß und stickig und gefüllt mit 10 Musikern und ca. 24 Männer, Frauen und Kindern, die zusammen Tänze einstudieren. Alle lachen uns aufmunternd zu und es macht richtig Spaß sie zu beobachten. Sie sind lässig in Turnschuhen, Hausschuhen, Jogginghosen gekleidet und sehr ernsthaft und konzentriert bei der Sache. Plötzlich werden wir aufgefordert einen Tanz mitzumachen. Ein einfacher Reigentanz, sie tanzen ihn für uns ein zweites Mal. Dargestellt wird  die Geschichte eines Flirtes zwischen einer Frau und einem Mann. Am Ende fragt Marcus ob er ein Gruppenbild machen darf. Alle freuen sich und stellen sich geschwind auf. Anschließend müssen wir auch noch mit auf das Foto. Der Vorsitzenden überreicht uns stolz  eine CD mit Folkloremusik der Band und den Wimpel zum 90 jährigen Bestehen der ‚Rancho Folclorico da Afurada’. Wir sind Touristen auf der Durchreise und werden von allen Menschen im Raum so herzlich und natürlich aufgenommen, wir sind unglaublich beeindruckt und berührt.

Donnerstag, 5. Juni, Douro-Marina / Porto

Frühstück, Boot putzen, Marcus macht Törnplanung für seine Zeit mit Dirk, der am Sonntagmorgen kommt und für mich einspringt, da ich die langen Segeltage bis an die Algarve nicht mitmachen möchte. Ausserdem habe ich nach neun Wochen Sehnsucht nach Hause.

Planung steht: Marcus fliegt von Lissabon, auch zwei Wochen nach Hause, seine Mama freut sich und hat schon die to-do-Liste vorbereitet. Am 1. Juli fliegen wir dann gemeinsam wieder zum Boot, um die Strecke Lissabon bis Cadiz zu fahren. See you soon Flores!

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