Dienstag, 13. Mai 2025, Muros – Corrubedo

Wir sitzen im Windschatten der Sprayhood, Abendsonne, der Blick geht auf den Strand und eine große Düne. Ein pinkfarbener Fisch ist im Ofen und es duftet schon an Deck. Endlich ist es trocken geworden und auch etwas milder, sodass wir endlich zum Ankern in einer Bucht kommen. Unser erster Ankerplatz 2025. Heute morgen hat es noch etwas geregnet und wir waren dann doch froh nach neun Tagen den Hafen in Muros zu verlassen. Muros hat uns sehr gut gefallen und mit dem Strandtag, der großen Wanderung und unseren tollen Gartenbesichtigungen war es auch nicht langweilig, doch jetzt braucht es einen neuen Liegeplatz.

Perfekt, der Fisch ist fertig!

Mittwoch, 14. Mai 2025, Corrubedo 

Puh, die Nacht hat uns heftig durchgeschaukelt, kleine Waschmaschine. Am Morgen haben wir dann 14° im Boot und draußen 10°, das ist nicht viel. Da vergeht mir doch etwas die Lust am Morgenbad im Meer. Heizung an und erst mal frühstücken, dann kommt die Sonne und uns wird langsam warm. Marcus paddelt uns an Land und wir machen einen Übungsflug mit der Drohne. Wie geht sie noch mal an? Endlich gibt es die ersten Bilder! Spaziergang über den herrlichen Strand bis zu den Felsen auf der einen Seite. Ich habe leider keinen Eimer mitgebracht um Miesmuscheln zu ernten und auch keine Wasserschuhe an. Beim nächsten Ankerplatz. Wir spazieren in den kleinen Ort Corrubedo und essen gegrillte kleine Fische zu Mittag. Ein zweiter Drohnenstart am Rande der Ortschaft, klappt jetzt schon viel besser. Wir treten den Rückweg an, da der Wind etwas auffrischt. Marcus wollte mit dem Dinghi rudern! Das muss er jetzt auch, Welle und Wind haben zugenommen, nicht ganz leicht zurückzukommen. Das Wasser steht viel höher am Strand und gegen den Wind ist das gar nicht so leicht. Vielleicht doch mit E-Motor-Unterstützung beim nächsten Mal. Jetzt aber doch noch schnell ins Meer und eine heiße Dusche an Deck! Unsere zweite Nacht vor Anker ist schon viel ruhiger.

Donnerstag, 15. Mai 2025, Corrubedo – Ribeira

Wir fahren mit der SY Sørlandet, eine Halberg Rassy 42E von 1989 ein kleines Wettrennen bis in den Hafen von Ribeira. Tatsächlich ist unsere gute Vision, auf diesem Kurs und bei halben Wind nicht langsamer. Marlene und Helge, heißen die beiden, sehe ich auf meiner App „noforeignland“. Sie ankern vor dem Stadthafen von Ribeira und landen kurze Zeit später mit ihrem Bananaboat und ihrer Katze in der Marina an unserem Steg an. Die Katze ist schon 19 Jahre alt und schwer krank, die zwei suchen einen Tierarzt auf, um zu schauen ob dem Tier noch zu helfen ist. Wir haben unterwegs viele Fotos von unseren Booten gemacht. 

Am Steg legt auch ein schöner, großer, neuer Katamaran, unter polnischer Flagge an. Marcus hilft die Leinen anzunehmen und es stellt sich heraus dass es Deutsche sind. Peter aus Konstanz bringt sein neues Boot ins Mittelmeer und hat über das Portal ‚Hand gegen Koje‘, Daniel aus Freiburg, Spanier und Rechtsanwalt und ein weiteres Pärchen als Unterstützung an Bord. Sonja scheint auch etwas Sehnsucht nach weiblicher Unterhaltung zu haben und nach dem gemeinsamen Anliegerbier, werden wir zum Frühstück für den nächsten Morgen eingeladen. Wir dürfen den neuen Katamaran besichtigen und sind schwer beeindruckt, wie geschmackvoll er ausgestattet ist. Natürlich mit zwei Gästekabinen in einem Rumpf und für den Eigner die andere Seite. Tatsächlich standen zwei Weinflaschen als Vasen mit großen Agapanthusblüten während der Segelfahrt auf dem Tisch ohne umzufallen. Es ist eine komplett andere Fahrweise mit dem Katamaran. Ein richtiges Ferienhaus auf dem Wasser. Ein Katamaran liegt preislich höher, nicht nur bei der Anschaffung und beim Liegeplatz im Hafen, auch die Reparatur und Wartung ist fast immer doppelt so teuer.

 Freitag, 16. Mai 2025, Ribeira – Islas Sálvora

Mein Roggenmischbrot findet guten Anklang beim Frühstück und die selbstgemachte Mandarinenmarmelade auch. Wir sitzen um Peters großen Tisch und das Plaudern könnte ewig weitergehen, aber es muss noch eingekauft werden und wir wollen auch noch auf die kleine Islas Sálvora, für die wir uns eine Genehmigung beim Parque Nacional de las Islas Atlanticas de Galicia eingeholt haben, um dort zu Ankern und auch die Insel betreten zu dürfen.

Es sind nur ca. 13 SM von Ribeira bis zu der kleinen Bucht vor Sálvora, wo wir ankern dürfen. Zeit für ein Risotto und ein kurzes Bad im Meer (Wasser 18 °) und mittlerweile sind auch alle Tagesbesucher und die Arbeiter, die Restaurationen am Leuchtturm vornehmen, von der Insel abgeholt worden. Der Ranger weist uns noch einmal darauf hin, nur auf den Wegen zu bleiben und schon gehört die kleine Insel uns und den Möwen, Hasen, Eidechsen und anderen Tieren mit Hufen, die sich nicht sehen lassen. Es gibt die Route zum Leuchtturm, vorbei an kugelrund geschliffenen Felsen. (Ludger würde es lieben). Die zweite Route führt zu einem kleinen verlassenen Dorf. Bis 1972 wurde es bewohnt, ist einem verwittertem Schild zu entnehmen. Ein Haus zeigt noch ein Miniklassenzimmer, zwei Schlafkammern und die Küche für den Lehrer. An die 90 Menschen lebten mit ein paar Kühen auf dieser winzig kleinen Insel. Wovon haben sie gelebt? Der Boden ist steinig und sandig und die Fläche für Ackerbau klein. Ich sehe nur einen Feigenbaum, keine anderen Obstsorten. Warum zog es so eine große Gruppe Menschen an diesen Ort? Leider finde ich keine weitere Information. Zurück an Bord gibt es ein Fischsüppchen und die Filets der Dorade. Das Brot kommt leider zu spät in den Ofen und hat Übergare, dann geht es beim Backen leider nicht mehr so auf. Wir genießen den ruhigen und super milden Abend und das Licht beim Ranger geht um 23 Uhr aus und wir schließen uns an.

Fotografenhorror: Die wunderschönen Bilder von der Insel Salvora haben wir leider überschrieben, ohne sie vorher von der Karte auf den Laptop zu laden. Shit happens.

Samstag, 17. Mai 2025, Islas Salvora – Islas Ons

Der Wind hat die Richtung gedreht und Marcus war um 2 Uhr angezogen im Cockpit, um zu beobachten, ob der Anker gut hält. Wir hatten bis zu 25 Knoten, auflandig, das heißt der Wind kommt vom Wasser und drückt uns Richtung Land. In einer kleinen Bucht, umgeben von Felsen kann das fatal enden. Irgendwann ziehe ich mich auch an und lande im Salon auf dem Sofa, während Marcus an Deck sitzt eingewickelt in den Schlafsack. Zum Glück hatten wir gestern Abend noch gespült und auch das Dingi und den kleinen Aussenbordmotor wieder ordentlich an Deck verstaut. Wir waren jederzeit bereit den Motor zu starten, den Anker hochzufahren und einen ruhigeren Platz anzusteuern. Allerdings ist das bei Dunkelheit nicht schön, zumal man das Fahrwasser nicht kennt und dann im Dunkeln, nur mit den Lichtern von Seezeichen und natürlich dem Plotter sich orientieren muss. Wir trinken also den Tee bei Sonnenaufgang und liegen jetzt in einer Bucht auf der anderen Seite des Ria Arousa in der Bucht von San Vincente. Marcus schläft erstmal.

Die Wettervorhersage ist gut mit wenig Wind. Wir haben für heute die Genehmigung vor der Illa Ons zu ankern und möchten das natürlich auch gerne nutzen. Die paar Seemeilen sind schnell gefahren und wir finden südlich der Anlegestelle vor dem kleinen Strand Melide einen passenden Platz, um den Anker fallen zu lassen. Dingi mit Motor ausstatten und dann setzten wir über an den Traumstrand, an dem man sogar nackt baden darf. Die kleine Wanderung führt Richtung Dorf, wo wir ein Getränk und einen Snack in der Bar nehmen, natürlich sind die Preise hier deutlich höher, der Inselzuschlag. Der Rückweg geht am Leuchtturm und an dem kleinen Häuschen einer Frau vorbei, die auf der Bordsteinkante sitzt und auf das Meer hinausschaut. Vor ihrem Haus wachsen verschiedene Blumen in Töpfen und an der Hauswand hängen die Luftnelken, Tillandsia aeranthos in großen Kugeln. Ich bitte die Frau um einen kleinen Ableger und sie angelt mir aus dem Baum eine große, blühende Tillandsienkugel. Ich erkläre ihr, dass ich sie für unser Boot möchte, aber sie besteht darauf, die Pflanze sei ein Schutz für das Haus. Mi barca es mi casa, passt also trotzdem.

Gut, dass wir die Kameras im wasserdichten Ortliebbeutel verstaut haben, denn die seitliche Welle hätte uns fast das Schlauchboot umgehauen. Die Schuhe und unsere Klamotten sind ordentlich nass geworden. An Bord mit Sonnenuntergang gibt es Miesmuscheln und Spaghetti con vongole.

Sonntag 18. Mai 2025, Islas Ons – Combarro

Wir verbringen eine sehr stille und ruhige Nacht am Anker und erst morgens um 10 Uhr vertreibt uns der kräftige Wind mit 20-25 Knoten schnell von unserem Traumplatz. Wir wollen ohne Schwell und Schaukeln liegen und entscheiden uns für den pittoresken Ort Combarro. Tourifalle! Der Hafen ist gut, die Duschen haben freien Blick auf das Wasser und sind sehr sauber. Allerdings bezahlt man einen ordentlichen Aufschlag für das „Schönste Dorf“ Galiciens. :((

Im alten Ortskern steht ein Horreo neben dem nächsten, alle alten Häuser sind verschachtelt und aus hellem Granit mit Meerblick. Leider ist alles voll mit Souvenirshops und Restaurants und selbst unter den alten Horreos stehen Tische und Stühle und kleben Eisplakate. Nur gruselig. Von weitem sieht es immer noch schön aus. Die Stadtverwaltung hat den alten kleinen Strand zubetoniert, damit mehr Platz zum Flanieren ist und hat überall wie und wo es nur geht das alte Steinpflaster überpflastert mit neuen Betonplatten. Das Sammelsurium an verbauten, geschmacklosen Häusern rund um den alten Kern ist nicht zum Aushalten.

Dienstag, 20. Mai 2025, Combarro –  Illas Cies

Keine Lust mehr auf Combarro. Hier gibt es außer dem Waschsalon nichts was uns Spaß macht. Richtig hübsch ist nur die Motoryacht Jura II von 1963, die uns gegenüber liegt. Wochenpreis 83.000 Euro, für 12 Gäste und 6 Crewmitglieder. Schade, leider sehen wir nur den Koch und zwei Stewardessen, so wissen wir nicht wer das Schiff als nächstes gemietet hat und wohin die Reise geht. Wir brechen auf zur Illa Cies und wollen uns dort mit Marlene und Helge von de SY Sørlandet treffen. Wir hatten die zwei auf unserem Weg von Corrubeda nach Ribeiro kennengelernt, aber leider nie Zeit für einen Plausch gefunden. Wir treffen früher ein und es gibt eine schönen Eintopf aus verschiedenen Linsen, Tomaten, Curry und Ingwer. Ich backe ein Sonnenblumenkernbrot.

Anstatt das sonnige Wetter am Strand zu nutzen, basteln Marlene und Helge uns eine Sicherung vor unseren UV-Wasserfilter. Die zwei haben bei ihrer Hallberg Rassy die gesamte Elektrik neu gemacht und etwas ungewöhnlich für eine Frau, Marlene ist völlig angefixt von den handwerklichen Prozessen an Bord. Beide hängen über der Bilge und suchen die Stromzufuhr für unseren Acuva Arrowmax Filter, der sehr wahrscheinlich im Winter durchgebrannt ist, weil er nicht separat abgesichert war. Wir quatschen und basteln und es bleibt nur noch Zeit für einen kurzen Ausflug an Land, bevor wir uns zum Gemüsecurry mit Reis auf der SY Sørlandet treffen. Klar wird auch hier alles angeschaut und bestaunt was die Beiden alles an dem 35 Jahre alten Boot schon renoviert haben. 

Mittwoch, 21. Mai 2025, Cies – Vigo

Morgenspaziergang über die Insel Cies. Wir setzen mit dem Dingi über zum Strand nachdem ich einmal kurz ins Wasser gesprungen bin. Wir entscheiden uns für den Weg zum Leuchtturm Punta da Peito, vorbei an einem kleinen Strand führt der Weg leicht bergauf durch einen Kiefern und Eukalyptuswald. Der Leuchtturm ist unspektakulär und wir gehen zurück, um noch ein Stück den Weg am Campingplatz vorbei zu gehen. Dafür muss man hinter dem Strand und der Lagune über einen Wehr gehen, der die beiden Insel, verbindet. Auf der einen Seite ist ruhiger Strand, mit davor ankernden Booten, auf der anderen Seite der Insel das tosende und spritzende Wasser. Der Strand an dem wir ankern heißt Playa de Rodas und wurde von der  britische Tageszeitung The Guardian im Februar 2007 zum schönsten Strand der Welt erklärt.

Da wir gegen 10 Uhr unsere Ankerlizenz verlieren, machen wir uns kurze Zeit später auf den Weg nach Vigo. Geplant ist in den Hafen Bouzas zu gehen, der im Industrieviertel etwas vor Vigo liegt. Es ist ziemlich laut und rundherum viel Industrie. Werften und Fischverarbeitung. Doch es gibt keinen Platz für uns. Also fahren wir zu in den Stadthafen von Vigo. Wir treffen es gut an und bekommen ein ruhiges Plätzchen kurz vor dem Gebäude der Segelschule. Vor dem Hafen gibt es ein Hallenbad, wir bekommen Karten, um während der Öffnungszeiten dort zu duschen. Dusche und Toilette sind ansonsten von der Segelschule zu nutzen. Nicht der Knüller, denken wir und gehen morgens ins Hallenbad und schwimmen eine Runde. In spanischen Hallenbädern herrscht Badekappenpflicht. Die Stadt Vigo liegt an einem Hang oberhalb des Hafens und man blickt durch die Strassenachsen zum Meer. Es gibt in der Altstadt noch viele schöne Jugendstilhäuser mit Balkonen mit verzierten Gittern, aber nicht mehr so viele verglaste Balkone, wie in A Coruña.

Donnerstag, 22. Mai 2025 – Vigo

Wir starten den Tag mit einer großen Runde schwimmen im Hallenbad, direkt am Hafen und zum Segelverein Real Club Nautico de Vigo zugehörig. Wir müssen uns erst mal orientieren welche Reihe für uns, als Gäste überhaupt genehmigt ist. Vereinsreihe, Rapido Reihe, wir nehme die Lente Reihe.  Keiner merkt, dass ich ohne Badehaube schwimme, das ist eigentlich Pflicht. Danach haben wir uns ein Frühstück im Café mit Tortilla verdient. Wir machen einen Großeinkauf im GADIS, da morgen unsere Gäste Tania und Carsten aus Düsseldorf kommen. Von der großen Fischtheke bringen wir uns Miesmuscheln für das Mittagessen und für Abends zwei Merluzafilets, Seehecht mit.

Ich putze die andere Teakholzreeling vom Boot, der Arm wird schwer vom schrubben. Marcus kann nicht helfen, er hat es am Knie.

Wir holen noch die Räder raus und fahren bis zu dem Park Castrelos, es geht ordentlich rauf und runter durch die Stadt mit wilden Motorradfahrern und Marcus hat zu kämpfen ohne elektro Unterstützung. Im Park gibt es einen alten Pazo und auch ein paar alte Bäume, die es auf die Liste der größten und ältesten Bäume Galizien geschafft haben. Unter anderem ein Tulpenbaum, Liriodendron tulipifera mit einem Durchmesser von fast 6 Metern und einer Höhe von ca. 40 Metern. Es gibt einen Englischen Landschaftsgarten und einen Französischen Garten mit Buchsbaumlabyrinth und Rosenallee, alte Glyzinien und monumentale Magnolien. Die Kamelien sind leider verblüht. Es ist schon etwas schummrig und so passen die dunklen Bilder gut zu der Stimmung im Park.

Den Abschluss machen zwei Bier in der Bar/Pizzaria Abadia de Nuria. Lautes Stimmengewirr zieht uns in die Sackgasse, die mal eine alte Kirche war. Jetzt erkennt man nur noch die alte Stirnwand, komplett um und überbaut mit Betonverschaltungen und Wohnungen. Wieder mal spanische Bauart. 

Noch kein Kommentar, Füge deine Stimme unten hinzu!


Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert